Bahnfahrn
Vier Stunden Bahnfahrt.
Berlin Hauptbahnhof – Köln Hauptbahnhof.
Zu Beginn leicht dösig nach dem Kampf mit der Nahverkehrsanfahrt.
Schräg gegenüber auf dem Vierer sitzen zwei ältere Herren, die gemächlich miteinander plaudern. Die Beiden unterhalten sich abwechselnd auf deutsch, französisch und italienisch. Bin beeindruckt und blättere ein wenig im Schnitt.
Ich fahre nicht sehr oft mit der Bahn, aber alleine schon wegen der kultigen Ansagen auf Englisch der Zugführer rentiert es sich eigentlich schon. Der heute ist nicht so schlecht, zaubert mir aber trotzdem ein Grinsen ins müde Gesicht.
Im Bordrestaurant gibts “Geschmorrte Bäckchen vom Jungschwein”. Beschließe diesen Satz zu meinem heutigen Lieblingssatz zu machen.
Nach einer Stunde beginne ich am Diplomfilm herumzuschreiben. Auf der Strecke Hannover-Bielefeld fährt der Zug sehr schaukelig und meine Handschrift nähert sich der modernen Kunst an. Denke darüber nach, dass ich in letzter Zeit kaum Nachrichten gelesen habe und somit auch nur wenigweise über ICE-Achsprobleme informiert bin.
Als der Zug durch Wuppertal fährt weist der eine ältere Herr den Anderen auf die Hochschwebebahn und derer Einmaligkeit hin. Der Konter kommt direkt und knapp:
Gibts auch in Tokio und Miami!
Anschließend wird ihm noch die Ankedote erzählt wie damals der Elefant aus der Kabine in die Wupper sprang. Grummelig kommts auch diesmal zurück:
Sowas findest du lustig und über Stierkämpfe regst du dich auf!
Darauf hingewiesen, dass es ja nicht die Intention gewesen sein, dass der Elefant bei der Aktion ins Wasser fällt, sonder vielmehr nur eine Werbegag des örtlichen Zoo gewesen sei kommt die konsequente Antwort:
Ich glaube trotzdem, der Elefant hatte da keine Lust zu!
In Wuppertal setzt sich eine dicke Frau in die Reihe vor mich.
Beide ältere Herren sind mittlerweile eingeschlafen.
Plötzlich beginnt die Dicke Frau in ihr Handy zu schreien/sächseln:
JAAAA! HALLOOO??! JAJAAA, ICH BIN GRAD AUF DEM ZUG NACH KÖLN, JAAAA?!? JA, NACH KÖLN! HAALLLLOOO?!?
Das geht dann etwa drei Minuten so bis ihr Handy abkackt. Der alte Mann ist davon aufgewacht und schaut die dicke Frau entsetzt an. Seufzt dann kurz, schaut sie direkt an und sagt dann sehr leise aber sehr deutlich:
Schade! Lauter konnte sie nicht sprechen!
Und auf einmal liegt diese ganz besondere Atmosphäre im Großraumwagen.
Auf der Hinfahrt habe ich mich ins Bahnfahren verliebt, auf der Rückfahrt dann aber gleich wieder Schluss gemacht, da aus meinem ICE-Sitzplatz ein IC-Stehblock wurde.








hehe,
mir scheint, du solltest öfter nach kölle kommen.
gruss, flow