The Devil’s Advocate Wears Prada

awesome

“Damages” war meine letzte große Serienüberraschung 2007. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich hab den Pilot damals reingelegt, während ich meine Sachen für die Silvesterfeier gepackt hab (was möglicherweise auch meine Erwartungshaltung widerspiegelte: “Ehhh, law procedural?”). Sagen wirs mal so: Am Ende des Pilots war ich nicht mehr am packen, sondern klebte an der Mattscheibe.

“It’s like The Devil Wears Prada… with lawyers!”, war natürlich nicht nur meine erste Reaktion, denn die Parallelen drängen sich ja geradezu auf: Zwei Chefinnen, gespielt von den zwei großen, reifen Damen des Films, die jungen Anwärterinnen auf den lukrativen Job, die von ersteren richtig übel untergebuttert werden, ihr naives Weltbild ins Wanken gebracht bekommen, wählen müssen zwischen ihrem sozialen Leben und dem Job, etc. Und dann natürlich die Frage, ob die Boss Ladies from hell unter der harten Schale nen weichen Kern haben, oder einfach doch nur reine evil bitches sind.

Nach dem Pilot (der leider die bisher beste Episode der Serie blieb) war einem dann klar, dass man es eher mit “Lost… with lawyers!” zu tun hat: Intrigen, Verschwörungen, Plot-Twists, wer sind die Guten (mal ehrlich, gibts “gute” Anwälte?), wer die Bösen und das ganze mit derselben Erzählstruktur wie in “Lost”s vierter Season: Wir sehen Flash Forwards, die eine unschöne Zukunft präsentieren, in der offensichtlich nicht jeder unserer Charaktere überlebt hat und der Rest zu zitternden Wracks verkommen ist. Wie kam es dazu? Das war schon wirklich ein fesselnder Auftakt, muss man sagen.

Leider, im Gegensatz zu “Lost”s vierter Season, in der man merkte, dass jetzt endlich Storylines im Voraus durchgeplant wurden, haben die Showrunner Kessler/Zelman keinen Hehl daraus gemacht, dass sie nach dem “making it up as we go along”-Prinzip vorgingen. Ich möchte einfach mal behaupten, dass das bei dieser speziellen Art der Narration nicht wirklich gutgehen kann. Und so gab es denn auch selbst in der kurzen 13-Episoden-Season einen Haufen Filler-Storylines, Red Herrings und Plotholes, was durchaus hätte verhindert werden können. Es blieb zwar spannende Unterhaltung, aber der WTF!?-Faktor des Pilots hat sich bei mir nicht nochmal eingestellt. Ein 2h-Film wäre hier das bessere Medium gewesen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Handlung von Season 1 fast komplett in sich abgeschlossen war (was durch die Flash-Forward-Struktur auch kaum zu verhindern war), hatte ich sowieso schon starke Zweifel, ob man mit dem restlichen Material noch ein zweites Kapitel “Ellen als Maulwurf” füllen kann. Und schon in der zweiten season premiere wurden diese Zweifel bestätigt: Eine uninteressante und viel zu vage Flash-Forward-Storyline (vielleicht hätte man das Konzept nicht 1:1 nochmal wiederholen sollen?), abstruse Re-Introductions (Eine Anwältin als Gast bei “Regis and Kelly”??), viel zu bemühte Plot-Twists (Oh, x/y lügt/steckt unter einer Decke mit z!) und die generelle erzählerische Subtilität einer Supernova (die E-Gitarrenriffs beim Blick in Timothy Olyphants Waffenschrank? Das konnte ja sogar “Jericho” besser!)

Ein großes Problem bei der ganzen Sache ist natürlich, dass die Schauspieler keine Ahnung haben, mit welcher Intention sie einen Charakter zu spielen haben, weil er/sie sich ja jederzeit wieder als (kein) Verräter/Verschwörer/Lügner herausstellen könnte. So bleibt alles irgendwie rohe Pinselstriche. Sepinwall spricht mir in seinem Review aus der Seele und ist sowieso viel eloquenter als ich:

If everything’s surprising, then eventually nothing is. Zieman and the Kessler brothers admittedly make up much of the story as they go along and try to make sense of the twists after the fact, but that defeats the point of trying to play along with the mystery at home. If the writers and actors don’t know who’s doing what and why, then you can interpret any scene any way and it won’t matter.

Das Acting ist etwas, was einem erst mit der Zeit auffällt: Dadurch, dass die Schauspieler nicht informiert sind, WEN sie denn heute gerade spielen, was die Motivation ihres Charakters ist und was seine Agenda, macht sich ein Großteil des Casts des Overactings schuldig, was aber durchaus teilweise abgefangen wird durch die Professionalität von Veteranen wie  Close und Danson (und aktuell William Hurt und Marcia Gay Harden). Was mich (zumindest diese Season) viel mehr irritiert ist das… “Underacting”(?) von Rose Byrne (die natürlich unter all den Oscar-Preisträgern/-Nominierten sowieso eine geschwächte Position hat):

Man hat nämlich immer wieder das Gefühl, dass Ms. Byrne sich dermaßen auf ihre lines und stage directions (und das faken eines US-Akzents als Australierin; ist ja ein typisches Problem im TV-Land heutzutage) konzentrieren muss, dass sie dabei vergisst, die Mimik eines menschlichen Wesens zu kommunizieren. Wer, außer einem Soziopath, geht denn z.B. in einen Raum mit zwei sich gegenübersitzenden Personen, spricht eine Person an, aber registriert Person 2 nichteinmal für einen Moment mit einem Blick? Dieses roboterhafte Auftreten ist einer der unheimlichsten Ticks, den ich jemals an einem (schlechten) Schauspieler beobachtet habe.

Oh, jetzt aber genug mit “Inside the Actors Studio”. Dazu kommt später noch ein Post!