Les revenants (2004)
Eines Morgens in Frankreich kommen Sie vom Friedhof, die Toten der letzten zehn Jahre. Sie sind sauber, zeigen keinerlei Anzeichen von genretypischer Agressivität, sondern wandeln einfach umher. “Was macht man mit den Wiedergängern?“ fragt sich der eingerichtete Ausschuss, der darauf bedacht ist die neuen Alten wieder in die Gesellschaft einzufügen.
Die Wiederlebenden kommen in ihrer alten Umwelt nicht wirklich zurecht, vielmehr versuchen sie mittels Erinnerungen an ihr altes Leben oder der Imitation von Verhaltensweisen der Mitmenschen mit eben diesen zu kommunizieren. Im alten Job ein wenig zu langsam, werden sie schnell in den Servicebereich runtergewechselt.
Man fürchtet sich nicht vor Ihnen, dennoch sind sie unheimlich, da sie sowohl den bekannten “Mensch” verkörpern, aber dazu auch das Unbegreifbare Inne haben. Und das Unbekannte ist ja immer erstmal spooky, sozusagen das klassische Moment der Menschheitsgeschichte.
„Les revenants“ ist ein ruhiger Film, der sich auf die einzelnen Erlebnissen der Hauptfiguren und deren revitalisierter Verwandschaft beschäftigt. Das Ehepaar, dessen sechsjähriges Kind zurückkehrt oder die Frau, deren Ehemann nach 2 Jahren und todbringendem Autounfall wieder vor der Tür steht. Das bedeutet natürlich Turbulenzen im Emotionsgeflecht der Figuren und beim Rezipienten geht metamäßiges Kopfkino ab:
- Wie würde die Rentenkasse die ReRenter finanzieren? Vielleicht müssten alle anfangen zu raucehn um dadurch das Steuersäckel zu füllen und schneller zum ExReRenter zu werden. From Gitanes to heaven.
- Wenn so ein toter Verwandter kommt ist das so eine Sache. Theoretisch gut, obwohl (Gedankenpause) kommt auf den Verwandten an. In dieser filmischen Version halt schwierig, da er nur eine Kassette seines alten Lebens ist. Überspielen geht nicht, da der Plastikkopierschutz im Grab herausgebrochen wurde. Somit Kein Neucontent möglich, sondern immer nur das schmerzliche Erinnern an den Toten durch den lebenden Toten/toten Lebenden.
Vielleicht fehlt dem Film ein wenig Korsettierung durch stärkere Storyeckpunkte, denn zu reinem Gedankenschweifen sind nicht alle Zuschauer immer und überall fähig/bereit – um es vorsichtig auszudrücken. Film ist für mich Massenmedium, dass eine gute Kunst/Kommerz Ratio nicht ausschließt. Sonst schaut das doch wieder keiner! Was hier Schade wäre/ist – da die Gewichtung ein wenig zu sehr in Richtung „Look-At-Me-I-Am-Art“-Gedöhnse geht. Trotzdem kann ich mich den wahren Worten der Hauptfigur des achtziger Jahre Arthouse-Knüllers “Robocop” anschließen. Alex J. Murphy, ebenfalls ein Wiederkehrer in Gestalt des Robocop, sagte darin passend “It´s the thought that counts!”. Recht hat er und gebe „Les revenants“ sehenswerte sieben Punkte.
9/24/10
Rating:
7 of 10 DHARMA Stations



